|
Adenovirus-Infektionen – in den kommenden Monaten wieder aktuell
 brieftauben-markt.de aktuell im Interview mit Dr. Henk de Weerd
brieftauben-markt: „Henk, wann und wie wurdest Du zum ersten mal mit dem Krankheitsbild konfrontiert ?“
Dr. De Weerd: „Adenovirus-Infektionen wurden weltweit seit 30 Jahren bei zahlreichen Vogelarten festgestellt. Die Pathogenität des Virus ist in der Regel gering, und ihre genaue Rolle in der klinischen Erkrankung ist oft nicht klar. Die meisten Adenoviren sind komplizierte Organismen welche in erster Linie Wegbereiter für andere Krankheiten sind. So sprechen wir dann von einer Multi-Faktoren-Krankheit.“
brieftauben-markt: „Wie fing es bei den Brieftauben an ?“
Dr. De Weerd: „Die häufigste und bekannteste Art der Erkrankung wird durch Adenovirus Typ I hervorgerufen. Wir kennen diese Probleme seit über zwanzig Jahren bei den Brieftauben.
Ein oder zwei junge Tauben beginnen zu erbrechen und zeigen Kranheitssymtome wie Appetitlosigkeit und grünen Kot. Es war früher nie ein großes Problem, da nur wenige Schläge betroffen waren. Heute sterben nicht selten einige Jungtauben davon. Wir wissen heute, dass dieser Adenovirus Typ I durch eine schwere E-Coli-Infektion stark begleitet wird. Aus diesem Grund sprechen wir von Adeno-Coli-Syndrom.“
brieftauben-markt: „Was hat sich in der Zwischenzeit verändert ?“
Dr. De Weerd: „In den letzten 5-10 Jahren haben sich die Symptome verändert. Heute sehen wir eine Vielzahl von betroffenen Schlägen, insbesondere in Westeuropa, wo es große Probleme mit Jungtauben in den Monaten April, Mai, Juni, Juli und August gibt.
Wir haben eine hohe Morbidität (Grad der Infektion) welche bis zu 90% bei den Jungttauben beträgt.“
brieftauben-markt: „An welchen Symtomem erkennt der Taubenzüchter die Krankheit ?“
Dr. De Weerd: „Die Symptome: weniger Appetit, erbrechen, gelblich-grünen schleimiger Kot. Sie erkranken sehr schnell und können nach ein paar Tagen sterben.
brieftauben-markt: „Wie kann die Krankheit diagnostiziert werden ?“
Dr. De Weerd: „Die Diagnose in einem Labor ist manchmal schwierig zu machen. Der Adenovirus selbst ist schwer zu finden, aber E-Coli Bakterien sind meist vorhanden. Aber die Symptome sind so spezifisch, dass ein erfahrener Tauben-Tierarzt oder ein sehr erfahrener Züchter weiß, was los ist!“
Das Problem mit der E-Coli-Bakterien ist, dass sie in der Regel immer vorhanden und auch hilfreich für den Organismus sind. Sie sind normalerweise im Darm von gesunden Tauben ebenfalls zu finden. Plötzlich jedoch können sie sich in pathogene Coli-Keime verändern.
Wir kennen verschiedene Fälle der Krankheit in unseren Schlägen. Die eine Taube bekommt die Krankheitssymtome aus einer Kombination von Adeno und Coli oder auch aus einem pathogenen Coli, insbesondere im Falle von „septicaemie“, dann erkranken die Tiere sehr akut. Die klassische Adenovirus (Typ I)-Infektionen befällt in der Regel ausschliesslich Tauben im Alter unter einem Jahr.
brieftauben-markt: „Was hat sich nun weitergehend verändert ?“
Dr. De Weerd: „ Die Dinge wurden Anfang der 90er komplizierter durch eine sehr aggressive Variante des klassischen Adenovirus. Wir nennen es Adenovirus Typ II.
Ich war der erste, der dieses dramatische Krankheit beschreiben konnte, jedoch wusste ich da noch nicht, dass es sich um eine andere Art der klassischen Adenovirose handelte.
Ich war damals auf vielen Schlägen im Südwesten von Holland. Vermeintlich gesunde Alttauben frassen nicht mehr und nahmen sehr wenig Wasser auf. Sie zeigten Erbrechen und produzierten gelben Kropfauswurf – nicht schleimig sondern Plaques-ähnlich. Die Tauben starben meist am kommenden Tag begleitet von schwerem Atem. Sie atmeten als ob sie schon lange sehr krank wären.
Aber sie starben aufgrund einer massiven Infektion der Leber und deren Zerstörung. Ich sah tausende von solchen Fällen. Tauben wurden zu den besten Tierkliniken der Welt zur Untersuchung und zu Forschungszwecken geschickt.
brieftauben-markt: „Was war nun das Ergebnis dieser Untersuchungen ?“
Dr. De Weerd: „Die Universität von Gent in Belgien fand schliesslich nach 1 ½ Jahr Forschungsrabeit heraus, dass es sich um eine Variante des klassischen Adenovirus handelte und nannte es Typ-II.
In der Zwischenzeit ist der Typ II immer noch vorhanden, aber nie wieder so massiv und zerstörerisch, wie ich es Anfang der 90er erlebt habe.
brieftauben-markt: „Wie ist nun der heutige Stand des Adenovirus ?“
Dr. De Weerd: „Heute kennen wir nach wie vor die verschiedenen Formen der Adenocoli-Infektionen. Wir sehen heute folgende Varaianten:
A Adenovirus Typ I
B Adenovirus Typ-I-und E-coli-Bakterien
C Pahtogenic E-coli-Bakterien
D Adenovirus Typ II.
Besondere Komplikationen bereiten die Kombinationen mit anderen Bakterien wie Streptococcen, Staphylococcen und andere. In den Varianten A, B und C haben wir in der Behandlung enorm gute Ergebnisse mit bestimmten Antibiotika-Kombinationen. Die Variante D ist dagegen sehr schwer zu therapieren.
brieftauben-markt: „Wird es einen Impfstoff geben ?“
Dr. De Weerd: „An der Universität Gent und anderen Instituten sowie auch in der freien Pharmaindustrie wird derzeit versucht, einen Impfstoff aus diesem speziellen Virus der Tauben zu isolieren. Jedoch wird es noch einige Zeit dauern bis ein Impfstoff bereit steht. Aber er kommt.
brieftauben-markt: „Wie stehst Du zu vorbeugenden Behandlungen ?“
Dr. De Weerd: „Probiotika und Säuren, welche den pH-Wert des Trinkwassers senken verhindern nicht den Ausbruch der Krankheit. Tauben , welche die Krankheit überwunden haben können jedoch immer gute Flieger werden. Wir haben eine Menge Beispiele dafür!
Wichtig ist eine schnelle Diagnose und so bald wie möglich eine wirksame Behandlung. Die spezialisierten Tauben-Tierärzte haben heute alle gut wirksame Behandlungspräparate.
Vielen Dank an Dr. Henk de Weerd

|