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Vitamin D
Gott weiß, dass man genug über Vitamine und Tauben geschrieben hat. Es gibt sie überall, sagten die einen, die anderen dagegen meinen, dass man noch zusätzlich davon geben muss. Heutzutage habe ich den Eindruck, dass fast jeder welche gibt… viel, um es wie die anderen zu machen.
Darum will ich dieses “Problem” heute noch einmal anpacken.
Die Notwendigkeit von Vitaminen, und selbst ihre Existenz, ist durch Ernährungsversuche mit
synthetischen und mit Hitze oder anderen physikalischen Interventionen behandelten Produkten nachgewiesen worden. Also ist in der gängigen Ernährung die wahrscheinliche Existenz von Faktoren aufgetreten, welche die Synthese oder die physikalische Behandlung nicht herangetragen oder zerstört haben.
Ohne diese Faktoren war Leben schlichtweg nicht möglich, man nannte sie „Vitamine“. Was das Vitamin D betrifft (die anderen kommen später), so hat man bei den Ergänzungsfuttermitteln diejenigen untersucht, welche in der Lage waren, bei Vögeln, die eine „behandelte“ Fütterung erhielten, rachitische Symptome des Knochengerüst zu vermeiden : gekrümmte Brustbeine, schiefe Füße, sehr weiche Brustbeingabelungen usw.
Zu diesen Substanzen, die Rachitis bei Vögeln, künstlich durch Mangel hervorgerufen, vermeiden können, zählen vor allen Dingen der Lebertran, Kokosnussöl usw. Dann stellte man noch fest, dass unter dem Einfluss der Sonne bestimmte fette Stoffe denselben Effekt gegen Rachitis hatten. Sicherlich – und auch glücklicherweise – hat sich das seitdem weiter entwickelt und heute wird zum Beispiel das Vitamin D durch ultraviolette Bestrahlung der Fette (verwandt mit Cholesterol) der Kakaobohnenschalen synthetisiert. Es gibt eine zweite Form des Vitamin D, genannt D2, das auch durch Synthese gewonnen wird. Es wird jedoch von den Vögeln sehr schlecht assimiliert und ist deshalb für unsere Tauben von keinem Interesse. Das Vitamin D wird also im Bereich der Haut durch natürliche Bestrahlung der Fette mit den ultravioletten Strahlen der Sonne synthetisiert.
Das heißt aber auch, dass diese Synthese im Winter quasi nicht besteht und in den anderen Jahreszeiten Wünsche übrig lässt, wenn die Sonne woanders ist. Das Vitamin D regelt im Organismus das Gleichgewicht zwischen Phosphor und Kalzium.
Fütterung nur mit Körnern gibt zuviel Phosphor (zwischen
3 und 5 Gramm pro Kilo Futter gewöhnlicher klassischer Mischungen) im Verhältnis zum Kalzium (zwischen 1 und 2 Gramm maximal pro Kilo Futter). Das erforderliche Gleichgewicht für den Organismus liegt zwischen 3 Teilen Kalzium zu einem Teil Phosphor.
Dies ist bewiesen durch das Zusammenfallen der Zuchtleistungen von Volierentauben, denen man den Grit entzogen hat: Eier ohne Schale, Fußleiden, hohe Sterblichkeit der seltenen Jungtauben, Sterblichkeit bei den Alttauben. Es sind die klassischen Anzeichen eines Kalziummangels, der sich in den meisten Fällen mit einem Mangel an Kochsalz verdoppelt. Die Gabe von Grit, der Salz enthält, wird das Problem innerhalb weniger Tage auf spektakuläre Art und Weise lösen. Auch wenn das Phosphor-Kalzium-Gleichgewicht wieder hergestellt ist, ist die Partie aber noch nicht vollständig gewonnen, vor allen Dingen in einer schlechten Saison. Der Mangel an Vitamin D ist immer noch da. Das heißt, wenn Kalzium und Phosphor wieder im Organismus zirkulieren, dann müssen diese noch wieder das Gleichgewicht herstellen und für den Aufbau einer Reserve sorgen. Man hat die Neigung zu glauben, dass das Skelett der Taube ein für allemal nach Ende des Wachstums fixiert ist. Das ist vollkommen falsch. Die Eischale kommt nicht direkt von der Ernährung her. Das Blut entnimmt das notwendige Kalzium vom Skelett und bringt nach dem Legen das zurück, was für das Skelett nötig ist. Gleiches gilt für die Kropfmilch, deren Mineralien nicht direkt von dem kommen, was die Zuchttauben bei den vorherigen Mahlzeiten aufgenommen haben. Das Phosphor in den Körnern, das im Verhältnis zum Kalzium im Überschuss in denselben Körnern enthalten ist, muss mit dem Kalzium im Verhältnis 3 des Kalziums zu
1 des Phosphors ausgeglichen werden. Es muss also eine Zugabe von außen geben.
Für die Tauben ist dies das Kalziumcarbonat der Muschelschalen des Grits (in Verbindung mit kleinen Silexsteinchen, den „Zähnen der Tauben“). Die Ausgeglichenheit zwischen Phosphor und Kalzium ist nur die eine Seite des Problems. Denn diese Kombination Phosphat-Kalzium muss auf dem Proteinraster des Skeletts fixiert werden. Denn diese Gesamtheit macht die Festigkeit und die Stärke des Skeletts aus. Diese Stärke ist durch Druck auf die vordere und hintere Knochengabelung der Taube zu erkennen. Man hat den täglichen Bedarf der Taube an Vitamin D 3 auf ungefähr 50 Einheiten pro Tag beziffert. Jungtauben im Nest sind aber weit davon entfernt, diese Menge zu erhalten, da sie oft im hinteren Teil ihrer Zellen nur wenig den Sonnenstrahlen ausgesetzt sind. Sie können ihren Teil nur durch das Füttern erhalten, zunächst durch die Kropfmilch, wenn die Zuchttauben das Glück haben, der Sonne ausgesetzt zu sein, dann durch das Futter, wenn dieses mit D3 angereichert ist. Das ist im Großen und Ganzen die Erklärung für schwache Skelette in manchen Beständen. Natürlich ist das nicht die einzig mögliche Ursache. Parasiten oder Mikroben des Darms, welche die Assimilation der Nahrung schwächen - also auch die der Vitamine - sowie die einfache Vererbung können auch ursächlich für diese Knochenschwäche sein. Das Vitamin D3, zusammen mit den Vitaminen A, E und K sind nur in Fetten lösbar. Aber die moderne Wissenschaft hat Mittel und Wege gefunden, um sie mit Wasser mischbar zu machen. Dadurch wird ihre Anwendung viel bequemer, denn man kann sie jetzt dem Trinkwasser hinzufügen. Die Verabreichung einer genau abgestimmten Menge (ungefähr 10.000 bis 20.000 Einheiten pro Liter Trinkwasser) genügt einmal in der Woche und entspricht den Bedürfnissen der Jungtauben, die sich in der Wachstumsphase befinden. Diese Anwendung empfiehlt sich während der gesamten Zeit der Winter- und Frühjahrszucht.
Der Vergleich zwischen Jungtauben, die so versorgt wurden, und denjenigen, die nicht so versorgt wurden, empfiehlt sich. Der Unterschied fällt sofort auf. Diese Art der Versorgung muss man natürlich während der ersten Monate des Wachstums der Jungtauben weiter beibehalten, bis die Sonnenstrahlen des Sommers dafür sorgen, dass die natürliche Synthese des notwendigen Vitamin D3 von selber erfolgt.
Ein Mangel an Vitamin D führt zu Rachitis mit folgenden Symptomen für das Knochengerüst: schiefe Füße, krumme Brustbeine, sehr weiche Beckengabelung usw. Mineralien (zum Beispiel Vitamineral) aus dem Kommerz von Spezialisten für die fachgerechte Versorgung von Tauben enthalten immer genügende Mengen an Vitamin D3.
Es ist zu empfehlen, sie immer und jederzeit den Tauben zur Verfügung zu stellen.
Dr. J.P. Stosskopf

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