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Eine Anmerkung
Vor einiger Zeit schrieb ich in einem Artikel, dass ich eine mittelgroße Taube mit einem guten Gleichgewicht bevorzuge. Zugleich habe ich es gern, wenn sie gut geschlossen ist, ein weiches Gefieder, ein reich pigmentiertes Auge und einen guten Flügel hat. Bei dem Letzteren sehe ich gern, dass die vier letzten Schwungfedern etwas länger sind. In demselben Artikel schrieb ich auch über vorbeiziehende Tauben, “dass ich noch nie eine gesehen habe, die sich aus dem Schwarm löste”. Damit meinte ich, dass ich vor allem kaum glaube und auch wenig Wert darauf lege, dass es Tauben gibt, die “schneller” fliegen können. Ein Leser machte zu Recht folgende Anmerkung: “Warum müssen Tauben die oben genannten Eigenschaften haben? Brauchen wir dann keine Tauben mehr zu beurteilen? Sind Muskeln, Flügel, starker Körperbau und andere Eigenschaften die tausende von Liebhabern untersuchen, dann sinnlos? Wie kann jemand innerhalb von acht Sekunden erkennen, ob sich eine Taube aus dem Schwarm lösen kann? Bei uns in der Einsatzstelle behauptet der beste Liebhaber, dass alle Tauben gleich schnell fliegen können. Er ist ein pragmatischer Züchter, der nur an den Korb glaubt und allen das Geld abgewinnt. Das stimmt mich traurig. Dass alle Drosseln, alle Spatzen, alle Schwalben, alle Holztauben gleich schnell fliegen können, nehme ich an. Sie sind von der äußeren Gestalt her alle gleich: dasselbe Gefieder, derselbe Körperbau, dieselben Flügel. Unsere Tauben, ein Kreuzungsprodukt aus vielen Rassen, sind alle unterschiedlich. Niemals habe ich zwei völlig gleiche Tauben gesehen und welche Unterschiede gibt es nicht bei Kurz-, Mittel- und Weitstreckentauben.”
Antwort:
Zunächst will ich gerne zugeben, dass Sie Ihre Anmerkung zu Recht gemacht haben. Als ich den Artikel schrieb, habe ich sicherlich nicht weit genug gedacht und nicht richtig deutlich machen können, was ich meinte. Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Solange ich Taubenliebhaber bin, habe ich nie etwas anderes gemacht, als die Tauben zu beurteilen und äußerst streng aufgrund äußerlicher Merkmale auszulesen. Die Auslese ist mein Steckenpferd. Jeder hat so seine eigenen Vorstellungen, wie eine Brieftaube aussehen muss, aber es steckt sicherlich eine Linie darin.
Es ist auch nicht schwer, einen Schlag voll “schöner” Tauben zu züchten. Um gute Tauben zu züchten, haben wir jedoch nach unserer Auslese die Hilfe des Reisekorbs nötig. In der Praxis ist es am Ende “der Korb”, der das letzte Wort hat.
Schneller fliegen
Es gibt sicherlich Tauben, die schneller fliegen als andere, aber ich messe dem wenig oder gar keine Bedeutung bei und ganz bestimmt dann nicht, wenn es sich um Kurzstreckentauben handelt, bei denen es häufig um wenige Sekunden geht.
Die Taube ist ein Herdentier.
Man merkt das an vorüberziehenden Gruppen. Vor allem bei schlechtem Wetter sieht man Schwärme in alle Richtungen fliegen. Zum Abend hin schließen sie sich noch enger zusammen.
Was ich jetzt schreibe, weiß ich natürlich auch nicht mit Sicherheit, aber ich denke, dass eine Taube dazu neigt, so lange wie möglich beim Schwarm zu bleiben. Ich bezweifele sehr stark, dass eine Taube, die schneller fliegen kann als der Rest des Schwarmes, das auch tun wird, es sei denn auf den letzten Metern, wenn der Schlag in Sicht ist. Wie gesagt, ist das meine Meinung und nicht wissenschaftlich erwiesen.
Ich denke, dass “den kürzesten Weg zum Schlag nehmen” viel wichtiger ist als schneller fliegen können. Tauben lassen sich durch den Schwarm und den Wind mitziehen. Eine frühe Taube kommt meistens, wie man so sagt, “aus dem richtigen Loch”. Die nächsten schließen sich an. Die Orientierungsfähigkeit ist sicherlich von Taube zu Taube verschieden. Beim Beurteilen habe ich wohl auch die Neigung zu sagen: “Die hat einen klugen Kopf”, aber letztendlich kann man sich haushoch irren. Nur der Reisekorb kann das bestätigen. Bei den guten Tauben wird es wohl in den Genen liegen. Form und Motivation sind ebenfalls von Bedeutung. Ein Crack ohne Form ist ein ganz normaler Schwarmflieger. Es läuft darauf hinaus, dass ich mehr an die Intelligenz und das Orientierungsvermögen einer Taube in Form glaube als an “schneller fliegen”. Ich habe mich stundenlang mit Herrn Noël über Tauben unterhalten. Wenn die Rede auf Janssen-Tauben kam, behauptete er immer, dass die Gebrüder Janssen ihren Erfolg der Intelligenz und dem Orientierungsvermögen ihrer Tauben zu verdanken hatten.
“Es steckt bei ihnen im Köpfchen”, sagte er und meistens hatte er Recht. In Bezug auf Weitstreckentauben stimme ich mit dem Schreiber des Briefes völlig überein. Tauben, die auf der großen Weitstrecke fliegen können, sind tatsächlich andere Tauben. In diesem Fall ist die Orientierungsfähigkeit und noch mehr das Durchhaltevermögen von außerordentlich großer Bedeutung. Viel mehr kann ich dem nicht hinzufügen. Vielleicht liege ich mit meiner Theorie auch total daneben. In der Theorie bin ich nämlich nicht stark. Die Praxis liegt mir mehr. Ob ein Sieger nun “schneller fliegt” oder sich schneller aus dem Schwarm löst, will ich gern dahingestellt sein lassen. Ich bin jedenfalls mehr als zufrieden, wenn ich einen Sieger auf dem Schlag habe, egal, ob er schneller geflogen ist oder den kürzesten Weg genommen hat.
André Roodhooft
Manche Liebhaber vertreten die Meinung, dass alle Tauben gleich schnell fliegen und dass der Sieger den kürzesten Weg nach Hause einschlägt. Andere glauben dagegen an die schnelleren Flieger. Darüber kann man nicht nur Artikel für eine Zeitschrift schreiben, sondern es liefert auch besonders interessanten Gesprächsstoff... an der Theke.
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